Motortausch am Linde H25T – Renault-Pkw-Motor statt Industriemotor
Nach rund 16.000 Betriebsstunden hatte der Renault F3R-264 Industriemotor meines Linde H25T, Baureihe 351, einen Schaden im Bereich des Zylinderkopfs. Statt den alten Motor grundlegend instand zu setzen, begann ich nach einem geeigneten Ersatz zu suchen.
Dabei zeigte sich schnell das eigentliche Problem: Gebrauchte F3R-264 Industriemotoren sind nicht gerade häufig und Informationen darüber, welche Renault-Pkw-Motoren alternativ verwendet werden können, findet man kaum.
Vom Industriemotor zum Pkw-Motor
Bei der Recherche und dem Vergleich verschiedener F3R-Motoren stellte sich heraus, dass der Industriemotor mechanisch sehr eng mit den 2,0-Liter-F3R-Motoren aus Renault-Pkw verwandt ist.
Als Ersatz habe ich schließlich einen F3R 791 aus einem Renault Mégane mit 114 PS verwendet. Der Motor hatte 88.000 km Laufleistung und kostete 400 Euro.
Beim direkten Vergleich mit dem F3R-264 zeigte sich, wie ähnlich die beiden Motoren tatsächlich sind. Grundmotor, Befestigungen und die relevanten Aufnahmen stimmen weitgehend überein. Die Unterschiede betreffen hauptsächlich die Anbauteile. Auch die unterschiedliche Zündverteiler-Ausführung war kein Problem, da die entsprechenden Aufnahmen am Zylinderkopf vorhanden sind und die Linde-Komponenten übernommen werden konnten.
Weitere 2,0-Liter-F3R-Ausführungen wie beispielsweise F3R 611 oder F3R 722 können aufgrund ihrer ähnlichen Konstruktion ebenfalls interessant sein. Grundsätzlich würde ich nach einem 2,0-Liter-F3R aus einem möglichst ähnlichen Bauzeitraum suchen und die wesentlichen Anschlüsse und Aufnahmen vor dem Kauf vergleichen.
Einspritzung ist kein Hindernis
Auch die Benzineinspritzung des Pkw-Motors stellte kein Problem dar. Interessanterweise besitzt der F3R-264 Industriemotor dieselben vier Öffnungen mit etwa 16 mm Durchmesser im Zylinderkopf – beim Linde sind sie lediglich serienmäßig mit Stopfen verschlossen.
Für den Umbau habe ich vier passende Aluminiumstopfen auf der Drehmaschine angefertigt und eingeklebt. Alternativ können geeignete Einpressstopfen verwendet werden. Eine Bearbeitung des Zylinderkopfs ist dafür nicht notwendig.
Linde-Teile übernehmen und Motor vorbereiten
Das originale Linde-Schwungrad und die staplerspezifischen Anbauteile ließen sich auf den F3R 791 übernehmen. Hinweise auf für den Umbau relevante Unterschiede beispielsweise an Kurbeltrieb oder Nockenwelle ergaben sich beim direkten Vergleich nicht.
Da der Ersatzmotor ohnehin ausgebaut und gut zugänglich war, habe ich außerdem schwer erreichbare Dichtungen und anstehende Wartungsteile gleich erneuert. Was später einen größeren Ausbau bedeuten würde, lässt sich auf der Werkbank mit vergleichsweise wenig Aufwand erledigen.
Eine Anpassung am Kühlsystem
Der einzige wesentliche bauliche Unterschied bei meinem Umbau war ein fehlender Kühlwasseranschluss am Zylinderkopf. Beim Linde versorgt dieser den ständig durchströmten kleinen Kühlkreislauf und unter anderem den LPG-Verdampfer mit warmem Kühlmittel.
Auch dafür musste der Motor selbst nicht verändert werden. Der benötigte Anschluss konnte über das externe Thermostatgehäuse des Renault-Motors hergestellt werden. Nicht benötigte Anschlüsse wurden verschlossen und die Wasserführung entsprechend angepasst. Diese Änderung ist auch noch bei eingebautem Motor möglich.
Fazit
Die größte Herausforderung war letztlich nicht der eigentliche Motortausch, sondern herauszufinden, wie weit der F3R-264 Industriemotor tatsächlich mit den Renault-Pkw-Motoren übereinstimmt.
Der von mir verwendete F3R 791 aus dem Renault Mégane erwies sich als sehr passende Basis. Viele Unterschiede, die zunächst gegen einen Pkw-Motor zu sprechen scheinen – Einspritzung, Zündung oder andere Anbauteile – betreffen nicht den eigentlichen Grundmotor und lassen sich durch die Übernahme der vorhandenen Linde-Komponenten lösen.
Für mich war bei diesem Projekt deshalb wieder einmal entscheidend, nicht nur nach einem exakt passenden Ersatzteil zu suchen, sondern zuerst zu verstehen, welche Unterschiede wirklich relevant sind und welche sich mit überschaubarem Aufwand lösen lassen.
Kosten für den Motorumbau
- Renault F3R 791 Ersatzmotor 400,00 €
- Dichtsatz Kurbelgehäuse: 77,00 €
- Dayco Zahnriemensatz: 102,00 €
- Elring Zylinderkopf-Dichtsatz: 46,90 €
- SKF Wasserpumpe: 38,10 €
- 4× NGK BPR6ES Zündkerzen: 22,51 €
- Kurbelwellen-Wellendichtring: 22,49 €
- ca. 5 Liter 15W-40 Motoröl: ca. 30,00 € Gesamtkosten: ca. 739 €
Damit lagen die reinen Kosten für Ersatzmotor, Abdichtung und vorbeugende Wartung bei rund 740 Euro. Nicht berücksichtigt sind meine eigene Arbeitszeit sowie kleinere Verbrauchsmaterialien. In Anbetracht dessen, dass der Ersatzmotor gleichzeitig neu abgedichtet und mit Zahnriemen, Wasserpumpe und weiteren Wartungsteilen versehen wurde, blieb der gesamte Motorumbau damit finanziell noch sehr überschaubar.
Hinweis:
Dieser Beitrag beschreibt meine eigenen Erfahrungen beim Umbau meines Linde H25T. Die Angaben beziehen sich auf die von mir verwendeten Bauteile und erheben keinen Anspruch auf allgemeine Übertragbarkeit auf andere Fahrzeuge oder Motorvarianten. Umbauten und Reparaturen erfolgen in eigener Verantwortung.







